Fotowochenenden in Frankreich

Tag 4 – Samstag 2. Juni

Der hier beschriebene Ablauf ist ein ungefährer Ablauf, der sich je nach Gegebenheiten und Wünschen der Teilnehmer ändern kann und soll. Er ist also eher als “roter Faden” und “Inspiration” denn als unumstößliche “To-Do-Liste” zu sehen….

  • Nach dem Frühstück – heute rund eine halbe Stunde früher als sonst – geht es los in Richtung „Avranches“. Um die gut 120 km schnell hinter uns zu bringen, nehmen wir – das erste Mal seit Paris – die Autobahn.
  • „Avranches“ ist mit rund 8000 Einwohnern die größte Stadt der äußerst westlichen Region der Normandie. Die Stadt auf einem Plateau hat sich ihre mittelalterliche Anmutung gut erhalten. Auf unserem Stadtrundgang können wir den „Mont Saint Michel“ am Horizont erkennen. Der Gründer dieses Klosters – Saint Aubert – war einst Bischof von „Avranches“ als er vom Erzengel Gabriel aufgefordert wurde eben dieses Kloster zu gründen.
  • Das der Erzengel bei seiner „Aufforderung“ nicht zimperlich gewesen ist, wird uns klar wenn wir den Schädel des heiligen Aubert in der Reliquienkammer der „Basilique Saint-Gervais d’Avranches“ sehen. Auf der rechten Seite des Schädels zeugt ein gut 5 cm großes Loch von der Überzeugungsarbeit des Engels. Für Saint Aubert war die Tatsache, dass er trotz dieses Loches weiter leben konnte Wunder genug, den heutigen Touristenmagneten zu gründen.
  • Ok – ganz sicher ist man sich bei der Legende um den heiligen Aubert heute auch nicht mehr. Es ist gut möglich, dass da der eine oder andere geschäftstüchtige Bischof die Geschichte etwas zu seinen Gunsten geschönt hat. Schließlich ist der Klosterberg seit Jahrhunderten einer der wichtigsten Pilgerorte und als solcher auch von wirtschaftlichem Interesse für die Region.
  • Wie dem auch sei! Da wir heute relativ früh zu Mittag essen müssen begnügen wir uns mit herzhaften „Galettes“. Das sind „Crepes“ aus Buchweizenmehl und eine regionale Spezialität. Dann geht es auch schon ins nah gelegene „Genêts“
  • „Genêts“ ist heute ein ganz kleiner Ort, ganz im Gegensatz zum 15. Jahrhundert, als es mit bis zu 3000 Bewohnern sicher 100-Mal größer war. Das der Ort so riesig war erklärt sich durch seine strategisch gute Lage: von hier aus brach man zur letzten Etappe der Pilgerreise zum „Mont Saint Michel“ auf: die letzten 5 Kilometer konnte – und kann – man nur bei Ebbe durch das Watt zurücklegen.
  • Und genau das wollen wir tun! Gegen 14 Uhr stehen wir am Strand und ziehen unsere Schuhe aus. Es ist leicht nebelig, der „Mont Saint Michel“ ist nicht zu sehen. Wir sind Teil einer größeren Gruppe, aber die einzigen Ausländer. Alle freuen sich über den fremden Besuch, und der Guide begrüßt uns mit den einzigen drei Worten Deutsch die er kann: „Ich liebe Dich“ – allgemeines Lachen. Die anderen Teilnehmer sind freundlich, aber warum es hier so wenige Ausländer gib erklärt sich schnell – niemand, nicht mal an der Kasse – spricht etwas anderes als Französisch. Wie gut, dass Kursleiter seit Jahren in Frankreich lebt und uns so (nicht nur) die Sicherheitshinweise des Guides übersetzen kann!
  • Und los geht es! Wir laufen auf der spiegelglatten Fläche dem Horizont entgegen. Der weiche Sand unter den nackten Füßen ist warm, selbst das kniehohe Wasser, dass wir immer wieder durchqueren müssen ist warm wie in einer Badewanne. Wir freuen uns die Sonnenbrillen eingepackt zu haben! Das Leben kann so schön sein!
  • Nach einer knappen Stunde ist es dann plötzlich so weit; der Nebel löst sich in Minuten auf, und wir sehen den „Mont Saint Michel“ vor uns. Auf der Spitze der Klosterkirche leuchtet golden die Statue des heiligen Erzengels! Aber was soll das? Laut Aussage des Guide soll es noch gut zwei Stunden dauern bis wir am Berg ankommen? Dabei ist er doch gleich da vorne. 10 Minuten noch, dann haben wir es geschafft! Eigentlich schade, gerade macht es Spaß….
  • Eine weitere Stunde später wird uns klar, dass die Dinge hier näher aussehen als sie sind. Der Berg sieht immer noch so aus als sei er zum Greifen nah, dabei ist man ihm kaum näher gekommen. Aber was macht das schon? Das Laufen auf der ebenen Fläche strengt nicht an und jetzt machen wir erst einmal Pause auf einem zweiten Felsen im Watt. Zeit eine Banane zu essen und den Ausblick zu genießen.
  • Nach gut drei Stunden sind wir am Fuße des Berges angekommen! Wir waschen unser Füße vom weißen Sand und ziehen die Schuhe wieder an. Drei Minuten später stehen wir in einer Busladung Japaner. Ach ja – wir waren ja doch nicht die einzigen…
  • Aber der Mensch ist ein Rudeltier, vor allem wenn er in Bussen reist. Und so können wir dem Trubel recht gut entfliehen, wenn wir einfach die große Hauptstraße mit ihren Souvenirbuden verlassen. Komisch, dass das nicht alle so machen – die kleinen Gassen sind doch ohnehin viel schöner…
  • In Schlangenlinien laufen wir den Berg hinauf bis zum Kloster, das wir trotz der Menschenmassen natürlich besuchen müssen. Die unglaubliche Aussicht entschädigt für alle Mühen!
  • Wir entscheiden uns bewusst gegen ein Abendessen auf dem Mont. Die Aussicht ist zwar toll, aber es ist unser letzter gemeinsamer Abend und da wollen wir etwas besonderes daraus machen. Zurück in „Avranches“ haben wir einen Tisch reserviert. Das Restaurant ist nicht teuer, aber laut dem „Guide Routard“ sind die beiden Inhaber – ein Pärchen Mitte Zwanzig – ganz besonders talentiert darin, die klassische Französische Küche ins 21. Jahrhundert zu holen. Und was soll man sagen? Ein Festessen!
  • Der Abend ist noch lau und wir setzen uns zu einem kleinen Calvados auf die Terrasse unserer Privatunterkunft. Während unser Reiseleiter früh ins Bett geht – er muss ja morgen die rund 400 km zurückfahren – bleibt es für die anderen nicht bei dem einen Calvados!

    Der Mont Saint Michel

    Der Mont Saint Michel